GESCHICHTLICHER RÜCKBLICK
Genau wie bei anderen Sportarten weiss man auch beim
Handball nicht genau, wann und wo er zuerst praktiziert wurde. Als Carl Diem’s
„Weltgeschichte des Sports“ ist zu entnehmen, dass das Handballspiel in
verschiedenen Formen in vielen Kulurkreisen des Altertums anzutreffen war.
Zwischen den Jahren 1904 – 1920 fasste das Handballspiel in Europa Fuss und bei
den Regeln stand das Fussballspiel Pate. Die Anfänge des modernen Handballs
stammen aus Deutschland und besonders aus den skandinavischen Ländern. Ab 1919
wurde dann der „Feldhandball“ in Europa richtig populär. Im Jahre 1931 wurde
das Handballspiel in seiner damaligen Form, dem Feldhandball, als offizielle
Sportart in das olympische Programm aufgenommen.
Der Escher Verein Fola führte als
erster diese neue Sportart in Luxemburg ein. Es folgten die Vereine Jeunesse,
CA Düdelingen, CA Schifflingen sowie Racing/Spora Luxemburg. Die erste
offizielle Meisterschaft fand 1937 statt.
Ende der 40er Jahre gingen
hauptsächlich die nordischen Länder dazu über das Spiel in die Sporthallen zu
verlegen, man war nicht mehr wetterabhängig, und eine Reduzierung von 11 auf 7
Spieler machte das Spiel schneller und attraktiver. Der so entstandene
Kleinfeld- oder Hallenhandball wurde in Luxemburg ab 1957 gespielt.
DIE GRÜNDUNG DES H.C. NORD DIEKIRCH
Das Handballgeschehen spielte sich hauptsächlich im Süden
des Landes ab. Es war somit nicht einfach, diese Sportart im Norden
einzuführen. Anfang der 60er Jahre wurde Jean THILL, begeisterter
Handballanhänger, des öfteren von Verbandsmitgliedern der FLH ange-sprochen,
einen Handballverein in Diekirch aufzubauen. In der Person von Ralph Ruden fand
er einen ebenso begeisterten „Handballfreak“. Ihre Absicht, ein erstes
Spielerkontingent im Lycée Classique zu finden, wurde durch ein
Demonstrationsspiel der FLH, das im Oktober 1964 in Diekirch stattfand,
erleichtert. Schon einen Monat später fanden sich zwei Mannschaften zum ersten
Training unter der Leitung von Jean THILL ein. Trainiert wurde abwechselnd im
Hof des Pensionnates oder in der Sporthalle auf dem Herrenberg. Die Punktspiele
wurden bei jedem Wetter im Freien ausgetragen. Diekirch war damals der einzige
Handballverein in Luxemburg, dem zeitweilig eine Halle zur Verfügung stand.
Unterdessen waren Roger
BRACHMOND, Remy WAGNER, Michel KLEIN, Erny MERGEN und Gaston RESCH dazu
gestossen. Dieser provisorische Vorstand beschloss, den H.C. NORD ins Leben zu
rufen. In der Gründungsversammlung, die am 16. November 1964 im Café
Welter-Welbes in Diekirch stattfand, wurde folgender Vorstand bestätigt:
-
Präsident : Michel KLEIN
-
Vize-Präsident : Erny MERGEN
-
Sekretär : Ralph RUDEN
-
Kassierer : Roger BRACHMOND
-
Mitglieder : Jean THILL
Gaston
RESCH
Remy
WAGNER
Unter der Leitung von Trainer
Jean THILL nahm der H.C. NORD 1965 an der nationalen Meisterschaft in der 2.
Division teil. Die Mannschaft erreichte einen 2. Platz und verpasste knapp den
Aufstieg in die höchste Spielklasse. Dieser Aufstieg wurde 1967 verwirklicht,
und der H.C. NORD bestitt im selben Jahr sein erstes Pokalfinale. Der Verein
wuchs sehr rasch, Roger BILTGEN, Pierre STEFFES und Paul KOHN wurden in den
Vorstand aufgenommen der sich hiermit auf 11 Personen erweiterte.
CHEV HANDBALL
Mit dem Ziel, ihre gemeinsamen
Interessen besser zu vertreten, unterschrieben am 7. Juni 1969 die
Verantwortlichen vom Handball, Fechten und Volleyball die Statuten der
Dachorganisation C.H.E.V. (Cercle Handball, Escrime, Volleyball)
und aus dem H.C. NORD wurde der „CHEV-Handball Diekirch“. Der Vorstand wurde
durch einen 2. Vize-Präsidenten, Eduard Pepin, erweitert.
Der Diekircher Handballverein war
unterdessen zu einem festen Bestandteil im luxemburger Sportgeschehen geworden.
2 Seniorenmannschaften gehörten zum normalen Spielbetrieb. Der Verein musste
aber auch einige Schicksalschläge hinnehmen.
Am 12. Dezember 1972 verschied
nach langer Krankheit Ralph RUDEN, eine der treibenden Kräfte, fünf Monate
später, am 16. April 1973 kam der dynamische Präsident Michel KLEIN bei einem
Autounfall ums Leben. Diese herben Schicksalschläge konnten den Aufschwung aber
nicht aufhalten.
Roger BRACHMOND übernahm die
Präsidentschaft, Jean THILL das Sekretariat, während Paul KOHN für die Finanzen
zuständig war. Unter der Leitung des neuen Präsidenten wurde 1973 eine
Handballschule ins Leben gerufen, und Louis Schmitz erweiterte den Spielbetrieb
mit einer Scolaires-Mannschaft. 1976 stellten die Vereinsverantwortlichen
erstmals eine Damenmannschaft auf die Beine, die ab sofort unter der Leitung
von Jean-Paul KOHN an der nationalen Meisterschaft teilnahm.
Sportlicherseits gab es Erfolge
und Misserfolge. Die Jugendarbeit trug die ersten Früchte, die
Minimes-Mannschaft wurde 1977 Landesmeister und Pokalsieger, während dem die
erste Mannschaft auf Grund eines schlechteren Torverhältnisses den Weg in die
Promotion antreten musste, 1978 aber sofort wieder in die höchste Spielklasse
aufstieg. 1976 übernahm Claude Lanners das Amt des 2. Vize-Präsidenten.
Abwechslungsreich war das Jahr
1980. Frank MOLITOR übernahm den Vorsitz und setzte neue Akzente, was den
Sponsoring anbelangte, die Minimes-Mannschaft wurde zum zweien Mal
Landesmeister, die Damen stiegen in die Nationaldivision auf, die Senioren
mussten aber zurück in die Promotion, aus welcher man im folgenden Jahr wieder
aufstieg. Damit war auch die Fahrstuhlpolitik beendet, die erste
Herrenmannschaft spielt seit 1979 ununterbrochen im Oberhaus.
Frank MOLITOR wurde 1982 zum
Verbandspräsidenten gewählt und gab den Vereinsvorsitz an Jean-Marie ERPELDING
ab. Vier Jahre später übernahm Jos NOSBUSCH dieses Amt. Unter seiner Führung
wurde 1987 mit Roland DENEVE erstmals ein Berufstrainer eingestellt. Dies war
ein wahrer Glücksgriff, denn unter seiner Leitung ging der Weg steil nach oben.
Mit einem dritten Platz wurde 1988 die Meisterschaft abgeschlossen.
CHEV HANDBALL IM EUROPAPOKAL
Ab 1990 konnte der Verein unter Präsident Claude Lanners
die ersten grossen Erfolge einfahren. 1990 war es der Pokalsieg, 1993 war es
der erste Meistertitel, und mehrmals gab es Ehrenplätze in der nationalen
Meisterschaft. Die Gegner im Europapokal waren des öfteren bekannte Grössen auf
dem internationalen Parkett: Sävehof (SW) – Helsingör (DK) – Girondins Bordeaux
– SG Wallau-Massenheim – TV Niederwürzbach – SKP Bratislawa. Der Mangel an
internationaler Erfahrung stellte den CHEV Handball und seine Führung oft vor
schwer lösbare Probleme gegenüber diesen Profimannschaften.
Ein Glanzstück im
Europapokalgeschehen war 2002 das Vordringen ins 1/8 Finale, wo man nach Siegen
über Sau“Mamuli“ Tibilisi und den HBD schliesslich an den Italienern von SC
Torggler aus Meran scheiterte. Mit den Türken aus Ankara stiess man 2003 auf
Neuland in Sachen Handball. Während all den Jahren schlug sich die
Damenmannschaft ebenfalls recht tapfer. Es sollte allerdings nie zu einem Titel
reichen, und sie mussten sich mit Ehren- und Finalplätzen begnügen, was zwei
mal eine Teilnahme am Europapokal erlaubte. Wenig Glück war unseren Damen bei
der Auslosung beschert, bekam man doch mit Brovari Kiev und Lvov zwei mal eine
Profimannschaft aus der Ukraine zugelost.
DIE VEREINSFÜHRUNG
Der Diekircher Handballverein
konnte sich in finanzieller Hinsicht meistens keine grossen Sprünge erlauben.
In den ersten 20 Jahren arbeiteten alle Trainer unentgeltlich, die Spieler
zahlten ein Teil ihrer Ausstattung selbst und verzichteten meistens auf
Erstattung der Fahrunkosten. Selbstverständlich opferten alle
Vorstandsmitglieder ihre Zeit umsonst, wobei manche unter ihnen des öfteren
einen Griff in die eigene Börse taten, um Löcher zu stopfen. Zu allen Zeiten
wurde eine wirksame Jungendarbeit betrieben, was daraus ersichtlich ist, dass
fast kein Jahr verging, wo nicht ein oder mehrere Jugendmeistertitel oder
Pokalsiege den Weg nach Diekirch nahmen. Immer mehr konnten die Trainer auf die
eigene Jugend zurückgreifen und so die Kader der Damen- und Herrenmannschaften
auffüllen.
Ab 1988 kam der Verein auch nicht
mehr daran vorbei, ausländische Spieler nach Diekirch zu holen. Den Anfang
machte Roland Chylinski aus Polen. Er war eine wirkliche Bereicherung für den
Verein. Mangels starker Finanzen bemühte sich der Vorstand immer den
ausländischen Spielern einen sicheren Arbeitsplatz sowie eine freundschaftliche
Aufnahme mit ihrer Familie in unserer Gesellschaft anzubieten. Um mit der
Konkurrenz Schritt zu halten, ist die augenblickliche Vereinsführung unter
Claude Haagen auch gezwungen, auf dem nationalen Transfertmarkt mitzuhalten.
Die schon erwähnte Jugendarbeit,
angetrieben durch Jacquy Link und ihre freiwilligen Mitarbeiter, ist nicht mehr
aus dem Verein wegzudenken. Allein der „Girlscup“, ein inter-nationales
Riesenturnier, bestätigt diesen Aufbau. Eine Bereicherung für den Club war der
im Jahre 1990 von Maggy Mootz ins Leben gerufene Supporterclub, der aber leider
wegen Mangel an freiwilligen Mitglieder seine Tätigkeit wieder einstellen
musste.
CHEV HANDBALL UND DIE NATIONALMANNSCHAFT
Seit seinem Bestehen stand der Diekircher Handballverein
immer in enger Verbindung zum luxemburgischen Handballverband und wirkte in
führenden Positionen mit: so Frank Molitor auf dem Präsidentenstuhl, Jean
Thill, Vize-Präsident, technischer Direktor, Mitglied der technischen
Kommission und des Schiedsrichterausschusses. Des weiteren Paulus Claude,
technischer Direktor, Jacquy Link Mitglied des Verwaltungsrates sowie Abbes
Roth, Mitglied der Berufungskommission. Während all den Jahren fanden immer
Spielerinnen und Spieler den Weg ins Schiedsrichterwesen.
Auch war der Verein stets bereit,
seine besten Spieler für die Nationalmannschaft abzustellen:
Rekordnationalspieler waren wohl Carlo Zeimetz mit 123 Einsätzen, Claude Haagen
mit 84 Einsätzen und René Krack mit deren 24. Weitere Spieler trugen die
luxemburger Farben: Torwart Raymond Armbruster, die Spieler Roger Leweck,
Romain Mathgen, Pierre Decker, Henri Wohl, Claude Bock, Claude Paulus, Willy
Schön, Georges Szalay, Jaques Hermann, Marc Junker, Roland Mehlen, Christian
Simon und Sergei Afanassiev.
Bei der jetztigen Generation
wirken Patrick Fasbinder, Frank Link, Jeff Paulus, Jérôme Pauls, Patrick
Augustin, Daniel Wagner und David Gräff beim internationalen Geschehen mit. Bei
den Damen waren es Mim Collette, Nathalie Roettgers, Claudine Bastendorff, Viv
Toussaint und Paula Antunes. Neu im Nationalkader ist Caroline Pauls und
Jessica Johanns.
DER VIERZIGSTE GEBURTSTAG
Seit 1997 leitet Präsident Claude Haagen die Geschicke des
Vereins. Als lanjähriger Spiel-führer der ersten Mannschaft wird er den CHEV
Handball ab November 2004 in Richtung halbes Jahrhundert führen. Seit 1964
haben fast 700 Spielerinnen und Spieler Handball in unserem Verein gespielt.
Sie alle aufzuzählen oder zu erwähnen ist nicht möglich, doch alle haben ihren
Beitrag zum Erfolg geleistet. Sportliches Können und Einsatz, Kameradschaft und
Treue zum Verein waren und sind noch immer das Erfolgsrezept, mit dem CHEV
Handball in guten und schlechten Zeiten die Farben von Diekirch bestens
verteten hat.
Leider ist es nicht allen
vergönnt, diesen Geburtstag mitzufeiern. Frühzeitig mussten sie
die Handballfamilie für immer verlassen: Mim Collette, Françoise Fischer,
Guy Haagen, Roland Hoss, Raymond Boentges, Fränz Schmitz, Willy Schön, Camille
Klein, Néckel Kapgen, Paul Scheer. Die Vorstandsmitglieder Edouard Pepin, John
Feller, John Bartholmé sowie die Gründungsmitglieder Michel Klein, Ralph Ruden,
Remy Wagner und Gaston Resch.
Der 40. Geburtstag unseres
Handballvereins verdient es gebührend gefeiert zu werden. Die Saison wurde
abgeschlossen mit der Endspielteilnahme im Landespokal, dem Pokalgewinn in der
Juniorenklasse und zum 10. Mal seit dem Bestehen konnte der Verein sich für
eine Europapokalteilnahme qualifizieren.
Mit Genugtuung und einem
Quentchen Stolz kann man behaupten, dass der Club heute zu den besten
unserer Stadt gehört und der einzige grosse Handballverein im Norden des Landes
ist. Weitsicht und Realismus der jeweiligen Vereinsführung, Solidarität und
exemplarischer Einsatz der Sportler sowie treue Unterstützung durch unsere
Freunde und Gönner in und um Diekirch zeichnen für diese Erfolgsstory
verantwortlich. Solange diese Werte und Prinzipien nicht in Frage gestellt
sind, kann mit Zuversicht in die Zukunft geschaut werden.
Also Prost zum Geburtstag und „ad
multos annos“.